KÖNIG CHARLY

Hallo Nico, irgendetwas lag in der Luft. Meine Wurstverdienern waren den ganzen Tag besonders nett zu mir. Charly hier, Charly da, die Sache stank. Sie stank nach anderen Tieren, besser gesagt nach Tierarzt, dort sollte ich mich vorstellen und meine jährliche Untersuchung über mich ergehen lassen. Da ich mich nicht zu jedem Artgenossen herablasse, musste ich mit Herrchen vor der Tür warten. Frauchen warnte eine anwesende Hündin und deren Besitzer vor. Als ich durch die Tür trat, waren die ein wenig überrascht. „Wir dachten schon, was kommt denn jetzt für ein Hund, dass er draußen warten muss?!“ klang es schmunzelnd vom Nachbarsitz. Zugegeben es war nicht mein bester Auftritt, so verängstigt und überfordert von all den Gerüchen, zog ich mich kleinlaut unter dem Stuhl zurück. Das Leckerli danach lehnte ich dankend mit weg gedrehtem Kopf ab. Die sollen ruhig merken, dass man einem Dackel nicht an den Ohren und anderen Körperteilen herumfummelt. Eine Krone müsste man mir aufsetzen und zu mir aufsehen, das muss ich denen noch beibringen.

HALLIG, HUND, HANDYABSTINENZ – ABSCHIED UND ABREISE

Hallo Nico, unser kleiner Aufenthalt näherte sich dem Ende und wir verbrachten den letzten Tag, wetterbedingt, vor allem im Haus. Auf einer Hallig hat man von fast überall einen Blick auf das Meer, unsere Unterkunft war einer davon.

Mir war das ganz recht und somit döste ich, außer ein paar dringlicher Notwendigkeiten, vor mich hin. Dabei verschlief ich die Aufräumaktion meiner Wurstverdiener, aber ich kann den beiden ja nicht immer behilflich sein.
Ein letztes Mal ging es in die stockfinstere Nacht, Frauchen schaltete ihre Lampe aus, um diese Stille zu genießen. Der ein oder andere Vogel scheuchte sie dann doch auf und ich kam endlich in mein gemütliches Schlafgemach.

Am Abreisetag wurden wir wieder zum Anlieger gebracht und Frauchen bekam die ein oder andere Frage noch beantwortet. Auf der Fähre nahmen wir unseren bereits bekannten Platz wieder ein. Ganz ohne Wellengang, dafür mit etwas Gebelle vom Nachbartisch, legten wir wieder auf dem Festland an.
Zu Hause angekommen, nahm ich die Wohnung wieder in Beschlag und Frauchen schaltete nach vier Tagen ihr Handy wieder online. 67 Mails plus 31 im Spam und wieder keine Gratisfutterprobe für mich waren das Ergebnis. Fast alle hat sie, ohne zu lesen, gelöscht. Sie sollte endlich mal ihre unwichtigen Newsletter abbestellen, aber da gäbe es immer mal Coupons, natürlich nicht für Hundefutter.

Schon nach kurzer Zeit merkten wir auch, dass uns die Hallig jetzt schon fehlte. Die Ruhe, die Natur, die wenigen Einkaufsmöglichkeiten und nicht zu vergessen, das Licht! Wir werden auf jeden Fall wiederkommen und dieses Mal ein wenig länger.

HALLIG, HUND, HANDYABSTINENZ – DIE RUHE NACH DEM STURM

Hallo Nico, auf einer Hallig muss man sich für die Tagesgestaltung nur zwei Fragen stellen: raus oder nicht raus; links oder rechts herum. Der Sturm zog über Nacht weiter und der Morgen begrüßte uns mit einem wundervollen Sonnenaufgang.

Nach dem Frühstück konnte die Umrundung, auf Frauchens Wunsch, beginnen. Da das Anziehen der Wanderbekleidung mal wieder etwas mehr Zeit in Anspruch nahm, verschaffte ich mir einen Überblick über die örtlichen Begebenheiten. Im Mietvertrag stand, dass ich nicht auf den Sessel sollte, von der Fensterbank war nicht die Rede. Dort hatte ich den besten Platz und macht es mir bis zum Start gemütlich.

Während der ersten Kilometer, wir starteten rechts herum, bemerkte Frauchen, dass wir (also eigentlich Herrchen) ihren Wandersekt vergessen hatte. Um ihre Aufzeichnung per App, natürlich offline, nicht zu gefährden, wurde der Übeltäter zum Halligkaufmann geschickt und ein Treffen beim Fähranlieger vereinbart. Hier überbrückten wir die Zeit ein wenig mit Infotafeln. Nach einer gefühlten Ewigkeit und mehr Wissen über das Halligleben, begrüßte ich Herrchen überschwänglich, der nun wieder zu unserem Trupp stieß.

Die vierzehn Kilometer schnüffelte ich mich durch die Natur, musste für Fotos herhalten und teilte Frauchens Begeisterung für angeschwemmte Dinge nach der letzten Nacht. Kaputt, aber glücklich verbrachte ich den restlichen Tag mit Kauknochen und Fußbodenheizungsbaden. Frauchen verschwand nach draußen zum Fotografieren, das Licht und so. Ein wenig durchgefroren begrüßten wir sie mit Glühwein und Abendbrot und ich verschwand später wieder auf mein Fenster.

HALLIG, HUND, HANDYABSTINENZ – NOCH SIND WIR NICHT DA

– Werbung, durch Ortsnennungen –

Hallo Nico, das Abenteuer begann schon mit der Überfahrt. Durch ein kleines Sturmtief fiel bereits eine Fähre aus. Frauchen nicht ganz seefest „nur in Innenräumen ohne Fenster wäre es schlimm!“, schafften wir es dann doch gegen 13 Uhr und saßen pünktlich 13.10 Uhr im Bordbistro. „Hier sieht man die Wellen gut, das geht!“, inneres Kopfschütteln meinerseits. Zwei Glühweine und ein paar Handyfotos später erreichten wir Hallig Hooge.

Frauchen war ein wenig aufgeregt, ich weiß nur nicht, ob es am Glühwein oder der Onlineabstinenz lag. Eigentlich wollten wir zur Unterkunft laufen, aber unser Vermieter stand schon zur Abholung parat. Wir genossen ein wenig Sightseeing, vorbei an der Kirchwarft, der Shoppingmeile und der Schule. Dort war gerade Schulschluss und die Kinder von den Eltern abgeholt, „Rush Hour praktisch“, witzelte unser Vermieter. Bei gut 100 Halligbewohnern alles sehr überschaubar und nach fünf Minuten waren wir auch schon an unserem Ferienhaus.
Schnell ausgepackt und schon ging es Richtung Halligkaufmann. Da es begrenzte Öffnungszeiten, gerade während der Nachsaison, gibt und man sich dem Wetter anpassen sollte, erreichten wir nach ungefähr dreißig Minuten, den kleinen, aber gut sortierten Markt. Aufgrund unseres begrenzten Rucksackvolumens, überlegten wir bewusst, was wir wirklich brauchen. Frauchen freute sich über die bereits gemachten Fotos. „Das Licht!“ sprach es vom hinteren Wanderposten, während ich die Gegend erschnüffelte. Sie hätte so gern einige Bilder veröffentlicht, was jedoch zwecks ihrer selbst aufgelegten Abstinenz nicht ging. Innere Unruhe und ein wenig Frust über vergessene Dinge beim Einkauf machten sich breit. Ja, so ohne Internet hat man viel Zeit zum Nachdenken.

Gegen 23 Uhr und einer letzten kurzen Gassirunde ging sie noch einmal allein nach draußen. Bewaffnet mit Stirnlampe, da es hier keine Straßenbeleuchtung gab, verzog sie sich mit der Kamera. Absolute Dunkelheit und sternenklar, aber das sollte sich bald ändern.

HALLIG, HUND, HANDYABSTINENZ – ES GEHT WIEDER LOS

Hallo Nico, die Sommerpause wurde zu einer Sommer-/Herbst-/Winterpause und fiel ein wenig länger aus, als in den letzten Jahren. An mir lag es nicht, wollte ich hiermit noch einmal erwähnen. Nach einigen familiären Katastrophen hatten sich meine Wurstverdiener, nach 2 Jahren Urlaubsabstinenz, genau diesen jetzt, Ende November, verdient. Die ersten 9 Tage, nach 730 Stornierten verbrachten wir in der neuen Heimat, traditionell mit Sauna und Whirlpool. Hatten wir uns verdient, sprach Frauchen und ließ mich zum Glück damit in Ruhe. Leider nicht mit ihrem Bewegungsdrang. Auch in diesem Urlaub waren wir wandern und nach einer Woche standen 110.000 Schritte auf dem Zähler. Aber wir haben ihre Wanderziele erreicht, Lost Places entdeckt und Frauchen damit glücklich gemacht, mehr ging eigentlich nicht, möchte man meinen.
Aber nach einem kurzen Zwischenstopp zu Hause ging es in die andere Richtung. Genauer gesagt auf eine Hallig, und um es gleich klarzustellen, das ist keine Insel. Frauchen hatte dazu mal ein Buch gelesen und wollte das nun selbst mal erleben, wir zogen mit. Um der Natur noch näher zu sein, beschloss sie für diese Tage in den offline Modus zu gehen. Mir sollte es recht sein, mehr Zeit für mich und meine Macken.

Der große Unterschied zwischen Wellness- und Natur-pur-Urlaub begann schon beim Packen. Frauchen leicht überfordert, war sie darin doch gar nicht mehr geübt, zog mit vielen Boxen und Koffern durch die Wohnung um eben diese zu befüllen. Für eine Runde Spielen war da keine Zeit, zudem sie mir auch meinen Ball aus dem Maul zog und in meinem eigenen Koffer packte. 2 Koffer, 2 Rucksäcke, 3 Taschen und viele Boxen später, konnte es losgehen. Selbstversorger sollten wir für die nächsten Tage sein, dabei dachte ich, dass ich nie in solch eine Lage kommen muss. Das habe ich nie gelernt, bedienen versorgen sollten mich meine Wurstverdiener, nur unter diesen Bedingungen stimmte ich einen Einzug zu Ihnen zu.
Selbstversorger bedeutete aber in unserem Fall, den ganzen Hausstand mitzunehmen. Selbst mein Körbchen fand seinen Platz, ersetzte sonst immer Frauchens Koffer.
Für unseren Halligbesuch schlug sie mir das Wort Minimalismus um die Ohren. Was das bedeutet, sollte ich schnell lernen. Kein Ball, kein Körbchen und nur kleine Plastiknäpfe kamen in die beiden Rucksäcke, der Koffer diente als Vorratslager. Das Abenteuer Hallig konnte beginnen.

DER MIT DEN SCHWÄNEN FAUCHT

Hallo Nico, dass ich ein wahrer Möwenscheck bin und den Beschützerinstinkt deutlich verinnerlicht habe, habe ich schon oft unter Beweis gestellt. Auch wenn meine Wurstverdiener gern in der Natur wandern gehen, so ist es doch nicht ihr vertrautes Metier. Bedrohungen lauern einfach überall, aber genau aus diesem Grund haben sie mich. Die Möwen werden immer größer und heißen jetzt Schwäne. Mein Ego und meine Klappe müssen da natürlich mithalten können, wofür ich von den beiden allerdings nur Kopfschütteln erntete. Ich würde mich in Gefahr begeben, dabei zeigten mir die Schwäne mit ihrem Fauchen doch nur ihre Unterwürfigkeit. Meine Wurstverdiener übertreiben es manchmal mit ihrer Angst um mich.

FAZIT EINES REISENDEN

Hallo Nico, Frauchens Projekt: Städte & Meer (ich möchte hierfür keine Abkürzung verwenden…) habe ich mehr oder weniger unversehrt überstanden. 7 Ziele, 7 Tage und 168 Stunden mit meinen Wurstverdienern haben aus mir einen anderen Dackel gemacht.
Aber ich habe es geschafft und gehe mit folgendem Fazit aus diesem Projekt:

– Frauchen hat genug Mützen für eine Woche
– wir sollten zu Beginn immer auf ein Navi schauen, bevor wir einen Kilometer in die falsche Richtung laufen
– wenn im Internet steht, es ist geöffnet, muss es nicht geöffnet sein
– 10 Stunden Schlaf reichen definitiv nicht für mich
– Sandwich schmeckt auch ungetoastet
– wir benötigen eine zweite Thermoskanne für mehr Glühwein
– ich habe ein graues Haar mehr.

Nach diesen 7 Tagen und 85.038 Menschenschritten sind wir doch noch mehr zusammengewachsen. Wir haben die gemeinsame Zeit so genossen, das kann uns keiner nehmen. Nur die Frage „was habt ihr in eurem Urlaub alles gemacht?“ sollte bitte niemand Frauchen stellen, denn sie würde so beginnen: „Hallo Nico,…“

MAN TRINKT NUR ZWEIMAL – 04.12.2020

Hallo Nico, der letzte Tag unseres Projektes begann endlich mit einem Weihnachtslied und einem Sonnenaufgang wie aus dem Bilderbuch, bedeutete auch gleichzeitig, dass wir mal wieder zeitig aufgestanden waren. Bordesholm blieb als letzter Zettel übrig.
Schöner Parkplatz am See und gleich in die richtige Richtung gelaufen, was sollte jetzt noch schiefgehen. Erstes Ziel war das Klosterstift. Frauchen hatte sich schon vorausschauend im Internet informiert, um hier mit unnützem Wissen zu glänzen. Die Kirche war zudem geöffnet, bis wir einige Leute, die wichtig dreinblickten, entdeckten. Einen kurzen Blick hineingeworfen mit der Feststellung, hier gab es wohl eine Feier auf dessen Gästeliste wir nicht standen.

Also weiter zum Bahnhof, vorbei an kleinen Geschäften und Glühweinständen, die erst zu späterer Stunde öffnen sollten, natürlich. Ein wenig enttäuscht, vielleicht lag es auch am Wind und den gefühlten Minus 5 Grad beschlossen wir den Rückweg am See zu nehmen. Die beste Idee des Tages, denn da war er, ein geöffneter Glühweinstand mit tollem Blick auf den See. Sehr netter Gastgeber, sehr netter Ausblick und noch nettere Stimmung mit jedem Getränk mehr für Frauchen. Zurück, am Kloster vorbei, kam sie kurz auf die Idee, doch noch einmal dort nachzuschauen, ob eine Besichtigung möglich sei. Ließ es aber aufgrund ihrer zu guten Laune, sonst wären wir vermutlich doch noch mal in die Zeitung gekommen.
Dann war es so weit, die letzten Meter bis zum Auto und ich fiel während der Fahrt immer wieder in einen leichten Schlaf, geschafft und mein Fazit folgt im nächsten Beitrag.

DER HAUCH DES WALDES – 03.12.2020

Hallo Nico, vorletzter Tag, letzter Strand. Nach entspanntem Ausschlafen fuhren wir zum „vollen“ Parkplatz mit dem klangvollen Namen Bockholmwik. Direkt am Strand entlang mit indirektem Meerblick, da der Nebel mal wieder sehr hartnäckig war. Ich liebe den Sand und musste diesen auch auf meiner Haut spüren, das freut besonders immer Frauchen.
Unser heutiges Ziel war der Hafen von Langballigau. Auf dem Weg dorthin ging es durch einen Wald oberhalb der Steilküste. Die Bäume und der Boden voller Laub waren die perfekte Fotolocation. Nach einigen Selfies von Frauchen und einem Shooting mit 24 ging es weiter durch den sehr matschigen Wald mit kleiner Sandwichpause. Für mich gab es, wie immer auf unseren Wanderungen, Gurken.

Wir erreichten den Ort Langballigau, immer dem ausgeschilderten Fördesteig entlang, vorbei an unbewohnten Ferienwohnungen Richtung Hafen. Dort, natürlich menschenleer mit starkem Glühweindurst seitens Frauchen, aber dafür niemand im Bild beim Fotografieren.
Auf dem Rückweg durchquerten wir den kleinen Ort. Was wir hier so mögen, sind die kleinen „Einkaufsmöglichkeiten“, wie selbstgemachte Marmelade oder Bücherregale am Wegesrand, die wir auch gern wahrnehmen. Heutige Ausbeute, ein Buch mit altdeutscher Schrift, „zum Basteln“ sagt Frauchen, wollen wir ihr mal glauben, da unsere Hausbibliothek bereits sehr voll ist. Weitere drei Kilometer später, natürlich durch den Wald, erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt, bereit zum Aufwärmen im Auto.

LIZENZ ZUM JAGEN – 02.12.2020

Hallo Nico, heute ging es in die Gemeinde Nordstrand auf eine Nordseehalbinsel. Angekommen auf dem Parkplatz gleich am Deich, auf dem wir uns vor lauter Autos kaum entscheiden konnten, welchen Platz wir nehmen, ging es mit vollster Überzeugung mal wieder in die falsche Richtung. Zum Hafen, doch nach fast einem Kilometer sah es so gar nicht nach Zivilisation aus. Schnell aufs Handy geschaut und in die richtige Richtung gelaufen. Die beiden wären ohne diese neue Technik absolut aufgeschmissen und ich weiß nicht, wo wir des Öfteren gelandet wären.
Durch den Nebel konnte man leider nicht ganz bis zu den Halligen schauen, nur dessen Umrisse am Horizont sehen. Das heutige Highlight war diese unglaubliche Stille, die uns förmlich anschrie. Mich zumindest Frauchen lautstark, als ich meinem Jagdinstinkt folgend, den Wildenten hinterherjagte. Dabei zog ich meine Schleppleine durch Matsch und Schlamm um diese anschließend wieder in Frauchens Hände zu legen.

An der kleinen Promenade am Norderhafen bildeten wir uns kurz mit der Feststellung weiter, dass wir ohne den Nebel wohl auch den Leuchtturm von Pellworm gesehen hätten. So mussten wir uns nur mit dem sprechenden Relief der Umgebung zufriedengeben. Durch das kostenfreie Fernglas konnte Frauchen mal wieder nichts erkennen und somit machten wir uns auf den Rückweg. Zweite Runde Entenjagd, aber Frauchen war vorbereitet und somit gab ich mich vorerst mit meinem heutigen Schicksal zufrieden. Für mich war es ein recht zufriedenstellender Tag, ich konnte mich austoben und auf Frauchens Schoß die Rückfahrt genießen. Wir machten nur einen kurzen Zwischenstopp an einer Milchtankstelle im malerischen Dörfchen England und ließen den Tag somit doch noch international ausklingen.