TWO AND A HALF DOG

Hallo Nico, bekannterweise heißt so nicht jeder Hund. Aber ist euch schon mal aufgefallen, dass es in vielen Tierfilmen und -serien mindestens einen Charly gibt? Auch ich bin nach einer Serienfigur benannt, obwohl Frauchen immer einen Eddie wollte. Das lief ungefähr so ab.

Anruf Züchter, ihr könnt jetzt doch einen anderen Welpen haben, sofort zugesagt. Wie soll er denn heißen, es ist der C-Wurf? Frauchen völlig überrumpelt, Ceddie würde blöd klingen. Herrchen schaut gerade fern und ruft aus dem Hintergrund Charly. So kam ich zu meinem Namen.

Die Option mich umzutaufen hat Frauchen schnell wieder verworfen. Sollen sie auch froh sein, dass ich ab und zu mal auf meinen Namen höre und zudem trifft er sehr gut auf mich zu. Charly ist nämlich die Ableitung von Karl, Karl dem Großen, passender geht nicht.

KÖNIG CHARLY

Hallo Nico, irgendetwas lag in der Luft. Meine Wurstverdienern waren den ganzen Tag besonders nett zu mir. Charly hier, Charly da, die Sache stank. Sie stank nach anderen Tieren, besser gesagt nach Tierarzt, dort sollte ich mich vorstellen und meine jährliche Untersuchung über mich ergehen lassen. Da ich mich nicht zu jedem Artgenossen herablasse, musste ich mit Herrchen vor der Tür warten. Frauchen warnte eine anwesende Hündin und deren Besitzer vor. Als ich durch die Tür trat, waren die ein wenig überrascht. „Wir dachten schon, was kommt denn jetzt für ein Hund, dass er draußen warten muss?!“ klang es schmunzelnd vom Nachbarsitz. Zugegeben es war nicht mein bester Auftritt, so verängstigt und überfordert von all den Gerüchen, zog ich mich kleinlaut unter dem Stuhl zurück. Das Leckerli danach lehnte ich dankend mit weg gedrehtem Kopf ab. Die sollen ruhig merken, dass man einem Dackel nicht an den Ohren und anderen Körperteilen herumfummelt. Eine Krone müsste man mir aufsetzen und zu mir aufsehen, das muss ich denen noch beibringen.

HALLIG, HUND, HANDYABSTINENZ – ABSCHIED UND ABREISE

Hallo Nico, unser kleiner Aufenthalt näherte sich dem Ende und wir verbrachten den letzten Tag, wetterbedingt, vor allem im Haus. Auf einer Hallig hat man von fast überall einen Blick auf das Meer, unsere Unterkunft war einer davon.

Mir war das ganz recht und somit döste ich, außer ein paar dringlicher Notwendigkeiten, vor mich hin. Dabei verschlief ich die Aufräumaktion meiner Wurstverdiener, aber ich kann den beiden ja nicht immer behilflich sein.
Ein letztes Mal ging es in die stockfinstere Nacht, Frauchen schaltete ihre Lampe aus, um diese Stille zu genießen. Der ein oder andere Vogel scheuchte sie dann doch auf und ich kam endlich in mein gemütliches Schlafgemach.

Am Abreisetag wurden wir wieder zum Anlieger gebracht und Frauchen bekam die ein oder andere Frage noch beantwortet. Auf der Fähre nahmen wir unseren bereits bekannten Platz wieder ein. Ganz ohne Wellengang, dafür mit etwas Gebelle vom Nachbartisch, legten wir wieder auf dem Festland an.
Zu Hause angekommen, nahm ich die Wohnung wieder in Beschlag und Frauchen schaltete nach vier Tagen ihr Handy wieder online. 67 Mails plus 31 im Spam und wieder keine Gratisfutterprobe für mich waren das Ergebnis. Fast alle hat sie, ohne zu lesen, gelöscht. Sie sollte endlich mal ihre unwichtigen Newsletter abbestellen, aber da gäbe es immer mal Coupons, natürlich nicht für Hundefutter.

Schon nach kurzer Zeit merkten wir auch, dass uns die Hallig jetzt schon fehlte. Die Ruhe, die Natur, die wenigen Einkaufsmöglichkeiten und nicht zu vergessen, das Licht! Wir werden auf jeden Fall wiederkommen und dieses Mal ein wenig länger.

HALLIG, HUND, HANDYABSTINENZ – DIE RUHE NACH DEM STURM

Hallo Nico, auf einer Hallig muss man sich für die Tagesgestaltung nur zwei Fragen stellen: raus oder nicht raus; links oder rechts herum. Der Sturm zog über Nacht weiter und der Morgen begrüßte uns mit einem wundervollen Sonnenaufgang.

Nach dem Frühstück konnte die Umrundung, auf Frauchens Wunsch, beginnen. Da das Anziehen der Wanderbekleidung mal wieder etwas mehr Zeit in Anspruch nahm, verschaffte ich mir einen Überblick über die örtlichen Begebenheiten. Im Mietvertrag stand, dass ich nicht auf den Sessel sollte, von der Fensterbank war nicht die Rede. Dort hatte ich den besten Platz und macht es mir bis zum Start gemütlich.

Während der ersten Kilometer, wir starteten rechts herum, bemerkte Frauchen, dass wir (also eigentlich Herrchen) ihren Wandersekt vergessen hatte. Um ihre Aufzeichnung per App, natürlich offline, nicht zu gefährden, wurde der Übeltäter zum Halligkaufmann geschickt und ein Treffen beim Fähranlieger vereinbart. Hier überbrückten wir die Zeit ein wenig mit Infotafeln. Nach einer gefühlten Ewigkeit und mehr Wissen über das Halligleben, begrüßte ich Herrchen überschwänglich, der nun wieder zu unserem Trupp stieß.

Die vierzehn Kilometer schnüffelte ich mich durch die Natur, musste für Fotos herhalten und teilte Frauchens Begeisterung für angeschwemmte Dinge nach der letzten Nacht. Kaputt, aber glücklich verbrachte ich den restlichen Tag mit Kauknochen und Fußbodenheizungsbaden. Frauchen verschwand nach draußen zum Fotografieren, das Licht und so. Ein wenig durchgefroren begrüßten wir sie mit Glühwein und Abendbrot und ich verschwand später wieder auf mein Fenster.

HALLIG, HUND, HANDYABSTINENZ – STRUMTIEF DANIEL

Hallo Nico, wir alle hatten diese Nacht sehr gut geschlafen. Nur Vogelgezwitscher, ein wenig Wind und Meeresrauschen machten es möglich, und natürlich die Onlineabstinenz.
Leider meldete sich mein Körper schon recht früh und holte Frauchen damit aus dem Bett. Dafür schlummerten wir danach alle noch einmal und genossen, später als gewöhnlich, unser Frühstück mit Nordseeblick und Wetterbericht. Ein Orkantief bis Windstärke 11 sollte es geben. Wenn Hallig, dann richtig und die ersten Vorboten waren deutlich zu spüren. Alle Proteste halfen nichts und ich wurde erneut zum Einkaufen mitgeschleift. Bei Sturm wollten wir genug Essen und vor allem Trinken im Ferienhaus haben.

Da Frauchen nach unserer Rückkehr Mitleid mit mir hatte, wurde ich trockengeföhnt. Spaß ist etwas anderes. Ich baute mir meine eigene Warft aus Decken und verbrachte den Nachmittag mit Schlafen. Meine Wurstverdiener erlaubten mir sogar ohne Leine und Aufsicht vor die Tür zu gehen. Diese kleinen Ausflüge verkniff ich mir aber schnell, da es doch zu sehr an gewissen Körperstellen zog.
Den Rest des Tages verbrachte Herrchen am Handy und Frauchen mit Schreiben, klassisch mit Stift und Papier, den Blick nach draußen, wo keiner sein wollte.

HALLIG, HUND, HANDYABSTINENZ – NOCH SIND WIR NICHT DA

– Werbung, durch Ortsnennungen –

Hallo Nico, das Abenteuer begann schon mit der Überfahrt. Durch ein kleines Sturmtief fiel bereits eine Fähre aus. Frauchen nicht ganz seefest „nur in Innenräumen ohne Fenster wäre es schlimm!“, schafften wir es dann doch gegen 13 Uhr und saßen pünktlich 13.10 Uhr im Bordbistro. „Hier sieht man die Wellen gut, das geht!“, inneres Kopfschütteln meinerseits. Zwei Glühweine und ein paar Handyfotos später erreichten wir Hallig Hooge.

Frauchen war ein wenig aufgeregt, ich weiß nur nicht, ob es am Glühwein oder der Onlineabstinenz lag. Eigentlich wollten wir zur Unterkunft laufen, aber unser Vermieter stand schon zur Abholung parat. Wir genossen ein wenig Sightseeing, vorbei an der Kirchwarft, der Shoppingmeile und der Schule. Dort war gerade Schulschluss und die Kinder von den Eltern abgeholt, „Rush Hour praktisch“, witzelte unser Vermieter. Bei gut 100 Halligbewohnern alles sehr überschaubar und nach fünf Minuten waren wir auch schon an unserem Ferienhaus.
Schnell ausgepackt und schon ging es Richtung Halligkaufmann. Da es begrenzte Öffnungszeiten, gerade während der Nachsaison, gibt und man sich dem Wetter anpassen sollte, erreichten wir nach ungefähr dreißig Minuten, den kleinen, aber gut sortierten Markt. Aufgrund unseres begrenzten Rucksackvolumens, überlegten wir bewusst, was wir wirklich brauchen. Frauchen freute sich über die bereits gemachten Fotos. „Das Licht!“ sprach es vom hinteren Wanderposten, während ich die Gegend erschnüffelte. Sie hätte so gern einige Bilder veröffentlicht, was jedoch zwecks ihrer selbst aufgelegten Abstinenz nicht ging. Innere Unruhe und ein wenig Frust über vergessene Dinge beim Einkauf machten sich breit. Ja, so ohne Internet hat man viel Zeit zum Nachdenken.

Gegen 23 Uhr und einer letzten kurzen Gassirunde ging sie noch einmal allein nach draußen. Bewaffnet mit Stirnlampe, da es hier keine Straßenbeleuchtung gab, verzog sie sich mit der Kamera. Absolute Dunkelheit und sternenklar, aber das sollte sich bald ändern.

HALLIG, HUND, HANDYABSTINENZ – ES GEHT WIEDER LOS

Hallo Nico, die Sommerpause wurde zu einer Sommer-/Herbst-/Winterpause und fiel ein wenig länger aus, als in den letzten Jahren. An mir lag es nicht, wollte ich hiermit noch einmal erwähnen. Nach einigen familiären Katastrophen hatten sich meine Wurstverdiener, nach 2 Jahren Urlaubsabstinenz, genau diesen jetzt, Ende November, verdient. Die ersten 9 Tage, nach 730 Stornierten verbrachten wir in der neuen Heimat, traditionell mit Sauna und Whirlpool. Hatten wir uns verdient, sprach Frauchen und ließ mich zum Glück damit in Ruhe. Leider nicht mit ihrem Bewegungsdrang. Auch in diesem Urlaub waren wir wandern und nach einer Woche standen 110.000 Schritte auf dem Zähler. Aber wir haben ihre Wanderziele erreicht, Lost Places entdeckt und Frauchen damit glücklich gemacht, mehr ging eigentlich nicht, möchte man meinen.
Aber nach einem kurzen Zwischenstopp zu Hause ging es in die andere Richtung. Genauer gesagt auf eine Hallig, und um es gleich klarzustellen, das ist keine Insel. Frauchen hatte dazu mal ein Buch gelesen und wollte das nun selbst mal erleben, wir zogen mit. Um der Natur noch näher zu sein, beschloss sie für diese Tage in den offline Modus zu gehen. Mir sollte es recht sein, mehr Zeit für mich und meine Macken.

Der große Unterschied zwischen Wellness- und Natur-pur-Urlaub begann schon beim Packen. Frauchen leicht überfordert, war sie darin doch gar nicht mehr geübt, zog mit vielen Boxen und Koffern durch die Wohnung um eben diese zu befüllen. Für eine Runde Spielen war da keine Zeit, zudem sie mir auch meinen Ball aus dem Maul zog und in meinem eigenen Koffer packte. 2 Koffer, 2 Rucksäcke, 3 Taschen und viele Boxen später, konnte es losgehen. Selbstversorger sollten wir für die nächsten Tage sein, dabei dachte ich, dass ich nie in solch eine Lage kommen muss. Das habe ich nie gelernt, bedienen versorgen sollten mich meine Wurstverdiener, nur unter diesen Bedingungen stimmte ich einen Einzug zu Ihnen zu.
Selbstversorger bedeutete aber in unserem Fall, den ganzen Hausstand mitzunehmen. Selbst mein Körbchen fand seinen Platz, ersetzte sonst immer Frauchens Koffer.
Für unseren Halligbesuch schlug sie mir das Wort Minimalismus um die Ohren. Was das bedeutet, sollte ich schnell lernen. Kein Ball, kein Körbchen und nur kleine Plastiknäpfe kamen in die beiden Rucksäcke, der Koffer diente als Vorratslager. Das Abenteuer Hallig konnte beginnen.

DER MIT DEN SCHWÄNEN FAUCHT

Hallo Nico, dass ich ein wahrer Möwenscheck bin und den Beschützerinstinkt deutlich verinnerlicht habe, habe ich schon oft unter Beweis gestellt. Auch wenn meine Wurstverdiener gern in der Natur wandern gehen, so ist es doch nicht ihr vertrautes Metier. Bedrohungen lauern einfach überall, aber genau aus diesem Grund haben sie mich. Die Möwen werden immer größer und heißen jetzt Schwäne. Mein Ego und meine Klappe müssen da natürlich mithalten können, wofür ich von den beiden allerdings nur Kopfschütteln erntete. Ich würde mich in Gefahr begeben, dabei zeigten mir die Schwäne mit ihrem Fauchen doch nur ihre Unterwürfigkeit. Meine Wurstverdiener übertreiben es manchmal mit ihrer Angst um mich.

VOM DACKEL ZUM MOPP

Hallo Nico, jetzt habe ich wohl mit meiner überheblichen und tauben Art übertrieben. Post aus dem Amazonas, heißt ab und an auch etwas Schönes für mich. Schwanzwedelnd und voller Neugier half ich Frauchen wieder beim Auspacken. Ich erschrak.
Ein rundes, mit flauschig schwarzem Fell bezogene Etwas wanderte aus dem Paket in Frauchens Arme. Sollte es doch einen Zweitdackel für mich geben, aber wo waren Kopf und der Rest? Selbst Herrchen schaute ein wenig verwundert und erkannte dessen Verwendungszweck nicht auf den ersten Blick bis Frauchen das ganze auflöste: ein Teppich. Sollte sie im Büro sitzen und ich als Fußwärmer nicht zur Verfügung stehen.
Leider wird dieses Ding nun öfters mit mir verwechselt und zudem möchte ich nicht als solches enden. Ich muss wohl doch dringend etwas an meiner Art ändern.

WAS IST EIN FRIESENNERZ UND WAS HAT ER MIT FRAUCHEN GEMACHT

Hallo Nico, was kauft man sich zuerst, wenn man in den Norden zieht? Genau, eine gelbe Regenjacke! Aber nicht der Funktion halber, sondern wegen der Optik und des Stylefaktors. Als ich davon hörte war ich begeistert, ein Nerz, klingt nach Futter, ob aus Friesland war mir egal. Nach dem ersten Gebrauch verflog meine Euphorie schnell. Ein Regencape für Frauchen und ich kann nass werden. Während einer Regen-Gassirunde hielt sie mir zwar schützend den Schirm über meinen kleinen frierenden Körper, danach war ich trotzdem nass, wie ein Nerz. Da wir hier keinen Wissensblog betreiben, könnt ihr euch selbst über die Herkunft dieses Kleidungsstückes informieren und Frauchen Tipps geben wie man das Ding wäscht und pflegt. Nasse Füße hatten wir am Ende trotzdem beide.